Geschichte und Entwicklung ­
der katholischen Pfarre Rechnitz

Das Jahr 1274 gilt als Gründungsjahr der katholischen Pfarre Rechnitz, ob noch als Groß- oder bereits als Ortspfarre, ist leider nicht feststellbar. Die Pfarre Rechnitz gehörte bis 1777 der Diözese Raab (Györ) an, die von König Stephan I gegründet worden war. König Stephan I war der erste Pfarrgründer in Ungarn. Es wird vermutet, dass Rechnitz schon damals eine kroatische Pfarre war. Die Pfarre Rechnitz war eine vom „Grundherren“ errichtete Pfarre.

Unter Balthasar III. hörte im Jahre 1569 die katholische Pfarre Rechnitz zu bestehen auf. Der reformierten Kirche wurde sämtliches bewegliche und unbewegliche Eigentum der früheren katholischen Pfarre übertragen, und sie trat auch in die Rechte der ehemals katholischen Pfarre ein. Adam Batthyany begann 1630 mit der Rekatholisierung der Dörfer und Märkte. Die katholische Pfarre lebte 1633 juridisch wieder auf.
Es ist unbekannt wann der erste katholische Pfarrer nach Rechnitz kam und wie er hieß. Aus einer alten Bibel ist bekannt, dass ein Pfarrer, namens Laurenz Jakobi, bereits 1654 in Rechnitz tätig war.

Es gab zu dieser Zeit eine deutsche, als auch eine kroatische Pfarre. Das Register der kroatischen Pfarre beginnt mit dem Jahre 1660, das der deutschen erst mit dem Jahre 1676. Die Kroaten katholisierten gleich anfangs, die Deutschen blieben noch jahrelang oder überhaupt Protestanten.

1740 wurde die kroatische Pfarre aufgelassen, und der Vereinigung der beiden Pfarren stand nichts mehr im Wege.  pfarrhaus_alt.jpg­

Ab 1777 gehörte Rechnitz zu der Diözese Steinamanger (Szombathely), die durch die habsburgische Regentin, „Kaiserin“ Maria Theresia, gegründet worden war. Pfarrer Melisznig Johann war, laut schriftlichen Belegen, der erste Dechant von Rechnitz.

Die nächsten Jahrzehnte verliefen ohne nennenswerte Ereignisse. Erst Dechant Ignaz Nagy, von 1886 – 1907 Pfarrer von Rechnitz, brachte wieder „Leben“ in die Pfarre. Er war ein guter Seelsorger, hatte viel Verständnis für die Armen, integrierte sich im öffentlichen Leben der Gemeinde und war obendrein ein vorausblickender Wirtschaftler und Bauherr. Unter sein Wrrken fällt die Restaurierung der total heruntergekommenen Adam Hauser-Stiftung. Er brachte die Schwestern von der Kongregation des Göttlichen Erlösers nach Rechnitz und begann mit dem Bau des neuen Schulgebäudes im Hofe des Hauser-Stiftungshauses. Weiters wurden Knaben und Mädchen separat unterrichtet und mit dem Bau des Klosters begonnen.

Nach der Ära von Dechant Ignaz Nagy, kam der Ungar Bela Honti als Pfarrer nach Rechnitz. Während des ersten Weltkrieges wurden der Pfarre vier Glocken genommen. Am Ende des Krieges herrschte große Trauer und Empörung als man auch die große Glocke „Katharina“ trotz Widerspruch und Appelation zerschlug.
Weitere einschneidende Änderungen traten 1921 ein, als ein Großteil Deutsch-Westungarns zu Österreich kam. Es musste im Burgenland eine neue Dekanatseinteilung getroffen werden. Das Burgenland wurde eine „Apostolische Administratur“ und diese der Erzdiözese Wien unterstellt.

Dechant Honti, inzwischen Domherr geworden, ging nach Szombathely zurück und so kam 1924 Johann Horvath als Pfarrer nach Rechnitz. Er suchte als aufgeschlossener, tüchtiger, aber leider kranker Mann den Kontakt mit den Menschen. Unter Pfarrer Horvath wurden vier neue Glocken gekauft, ein neuer Glockenstuhl aufgestellt, die neue Turmuhr wurde bestellt und mit dem Neubau des Pfarrhofes begonnen. Die Fertigstellung erlebte er jedoch nicht, da er 1930 starb. ­      pfarrhaus_neu.jpg

Der Nachfolger war Stefan Osztovits. Als Gegner des Nationalsozialismus wurde Monsignore Osztovits die Ausübung seiner priesterlichen Tätigkeit untersagt. Er musste Rechnitz verlassen und wurde nach Sauerbrunn versetzt, wo er bald starb. Sein Nachfolger wurde Stefan Porits. Da Pfarrer Porits für einen im Konzentrationslager hingerichteten Rechnitzer eine Messe las, wurde er von der Gestapo verhaftet und nach Graz gebracht. Bis zu seiner Rückkehr wurde die Pfarre von Kaplan Johann Trenker verwaltet. Ihm verdankt Rechnitz die Rettung der gesamten Matrikelbücher und sonstigen Urkunden vor den Nationalsozialisten.

Andreas Wurzer löste 1963 den krankheitshalber in den Ruhestand getretenen Dechant Porits ab. Im Sommer 1967 wurde mit dem Bau des großen Bildungsheimes im Pfarrgarten begonnen. Dank Pfarrer Wurzer wurde in Althodis eine Kirche gebaut. Ihm standen während seiner Amtszeit 14 Kapläne und 2 Diakone zur Seite. 1973 fand der erste Pfarrball in Rechnitz statt, da man der Ansicht war, eine Pfarre sollte nicht nur im Gotteshaus, sondern auch im öffentlichen Leben mit Veranstaltungen präsent sein. Weiters wurde 1980 der Pfarrseniorenclub gegründet. Andreas Wurzer verdankt man auch das Pfarrblatt „Kontakte“. Monsignore Wurzer, der auch Fachinspektor für den katholischen Religionsunterricht an den Pflichtschulen im südlichen Burgenland war, starb 1991 überraschend an Herzversagen.
Nachfolger wurde Pfarrer Josef Schermann der 1998, krankheitsbedingt, von Pfarrer Otto Hörist abgelöst wurde. Auf Mag. Otto Hörist, der 2006 in Ruhestand ging, folgte Jacek Joachim Czerwinsky als Pfarrer von Rechnitz.

Ab 2009 leitete Jugendseelsorger Pfarrer Günther Kroiss die Pfarre Rechnitz. Ihm folgte Pfarrer Zdravko Gasparic. Ab September 2012 leitete Pfarrer Josip Tolic die Pfarre Rechnitz. Seit September 2016 übernimmt Pater Raphael Leitner die Agenden der Pfarre Rechnitz.

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